Kontakt

hsk
Sybelcentrum
Sybelstraße 11
76137 Karlsruhe

Tel.: 0721-961945-100
Fax: 0721-961945-109
sybelcentrum@heimstiftung-karlsruhe.de

Einrichtungsleitung: Teresa Musacchio

Für junge Menschen

Das Sybelcentrum

Das Sybelcentrum ist eine Einrichtung, die in versch. Orten der Stadt zuhause ist.

Das Hauptgebäude, ein Sandsteinbau von 1913, befindet sich in der Sybelstraße. Das Gebäude liegt inmitten der bunten, lebendigen Südstadt und beherbergt neben Tages- und Inobhutnahmegruppen auch die Augartenschule, ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung.
Hinter dem Gebäude befindet sich eine Parkanlage zum Spielen und Chillen.

Weitere Kinder- und Jugendhilfen des Sybelcentrums sind über das ganze Stadtgebiet verteilt. Es gibt Tagesgruppen und
Wohngruppen in versch. Stadtteilen.

Die Sanierung 2020 bis 2023

Als wir 2015 mit der Planung der Sanierung begannen, stand fest, dass wir eine Umgebung schaffen wollten, in der sich junge Menschen wohlfühlen und bestmöglich unterstützt werden können. Keine leichte Aufgabe bei einem alten Gebäude, das sein Aussehen behalten, aber modern ausgestattet sein sollte! Zusammen mit Architektinnen sowie Fachleuten für Heizung, Sanitär und Elektrik machten wir uns Gedanken zu Brandschutz, Denkmalschutz und vielem mehr.


Los gehtʼs

Ab März 2020 verließen Bereiche und Gruppen, Verwaltung und Leitung das Haupthaus und fanden im Klosterweg 1b (Oststadt) Unterschlupf. Nach dem Teilauszug begann die Sanierung. Im Sommer 2020 siedelten Schule und Tagesgruppen in die ehemalige Kimmelmannschule über. Ab August 2020 stand das Gebäude leer. Nun ging die Sanierung so richtig los:
Wände wurden abgerissen und neu eingezogen, um die Raumaufteilung an aktuelle Bedürfnisse anzupassen.
Böden und Decken wurden statisch geprüft und bei Bedarf erneuert.
Elektrik, Wasserleitungen und sanitäre Anlagen wurden saniert.
Das Haus bekam einen hellen Anstrich und passende neue Fenster.

Ein langer Weg

Der Südflügel, in dem die Schule untergebracht ist, wurde als Erstes fertig. Zum Schuljahr 2022/2023 konnten die Schüler*innen und die Tagesgruppen wieder ins Sybelcentrum ziehen. Am Rest des Gebäudes wurde noch fleißig gearbeitet.

Geschafft!

Im Oktober 2023 zogen wir aus dem Klosterweg zurück in die Sybelstraße. Nach dem kräftezehrenden doppelten Umzug war die Freude über die Rückkehr und die Neugier auf das „neue“ Gebäude groß.

Die Geschichte des Sybelcentrums

Vom Kinderheim zur modernen Kinder- und Jugendhilfe

Ein Gebäude erzählt

Ich bin froh, endlich zu Wort zu kommen – immerhin habe ich viel zu erzählen. Einiges von dem, was ich im Folgenden schildere, ist detaillierter in Band 4 der Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe nachzulesen (Katja Förster: Heimerziehung in Karlsruhe – von der Waisenanstalt zum Kinder- und Jugendhilfezentrum).

Wie ich zum Städtischen Säuglings- und Kinderheim wurde

Meine Entstehung verdanke ich den vielen Waisen Anfang des 20. Jahrhunderts – aber das muss ich vermutlich näher erklären. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Karlsruhe ein Waisenhaus eröffnet. Zu Beginn der 1870er-Jahre entstand dann das Städtische Armenpfründnerhaus. Ursprünglich für die Versorgung armer, alter, gebrechlicher Menschen gedacht, diente es bald auch der Aufnahme obdachloser Kinder. Viele von ihnen waren „Sozialwaisen“ aus zerrütteten Arbeiterfamilien oder die Kinder lediger Frauen und Witwer. Sie blieben dort, bis sie an eine Pflegestelle auf dem Land vermittelt werden konnten.

Aufgrund dramatisch steigender Aufnahmezahlen im Armenpfründnerhaus beschloss die Stadt 1911, ein Städtisches Kinder- und Säuglingsheim zu bauen. Geplant wurde das Gebäude samt Park von Stadtbaudirektor Friedrich Beichel. Für den Bau suchte die Stadt ein Grundstück an der Ecke Wiesenstraße (heute Stuttgarter Straße) und Sybelstraße aus und beschloss, das Heim müsse Platz für mindestens 120 Säuglinge und Kinder bieten. Demnach sollten Tages- und Schlafsäle, Schwesternzimmer, Wirtschafts- und weitere Räume sowie eine abschließbare Isolierabteilung im Gebäude untergebracht werden. Architektonisch orientierte sich der Stadtbaudirektor an Residenzbaumeister Friedrich Weinbrenner und dem aktuellen „Jugendstil“: Aus diesem Grund stehe ich heute unter Denkmalschutz.

Aller Anfang ist schwer

Eröffnet wurde ich am 16. September 1913. Unter Leitung einer Oberschwester zogen 68 Kinder und 5 Schwestern ein. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs erhöhte sich die Zahl der Kinder stark: Im Juli 1915 lebten 160 Kinder und Säuglinge in meinen Mauern. Nach dem Krieg sank die Zahl, blieb aber sehr hoch. Deshalb fasste die Stadt den Beschluss für einen Anbau, der 1927 fertiggestellt wurde. Darin kam die Säuglings- und Kinderpflege unter, die eine Neuerung besaß: Wände aus Glas, durch die man Säuglinge und Kleinkinder stets im Blick hatte.

Weil die Zahl der Kleinsten so hoch war, bildete man in meinen Säuglings- und Kinderpflegerinnen aus. Als die Stadt die Säuglingspflegerinnenschule 1922 übernahm, wurde sie zu einer staatlich anerkannten Einrichtung. Anfang der 1930er-Jahre beherbergte ich bis zu 200 Säuglinge und Kinder. Mittlerweile arbeiteten außer Schwestern und Ärzten auch Kindergärtnerinnen und eine Jugendleiterin bei mir.

Chaos und Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Gleich nach Kriegsausbruch wurde die Zwangsräumung angeordnet. Kaum waren Kinder und Personal fort, wurde aus mir ein „Kameradschaftsheim“ der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt. Die neuen Bewohner machten vieles kaputt. Umso erleichterter war ich, als 1940 wieder die Stadt das Ruder übernahm. Im Juli eröffnete ich wieder als Städtisches Kinder- und Säuglingsheim und war voll belegt. Inzwischen gab es Luftschutzräume im Keller, die aber schon 1941 nicht mehr für alle Bewohner*innen reichten, weshalb 1942 erneut evakuiert wurde. Danach sollten meine Räume als Hilfskrankenhaus zur Verfügung stehen, doch im letzten Kriegsjahr trafen mich Bomben.

Zucht und Ordnung bis in die 1960er-Jahre

Nach Kriegsende wurden meine intakten Räume zur Nutzung als Krankenhaus freigegeben. Erst 1946 kamen die Kinder zurück, wenn auch nur in den Gebäudeteil von 1913: Der Seitentrakt wurde bis 1949 als Krankenhaus genutzt, dann zog bis 1955 das Jugendamt ein. Unterdessen sorgte die Stadt für meine Instandsetzung und die Beschaffung des Inventars für 175 Kinder. Bis Ende der 1960er-Jahre blieb meine Grundstruktur trotz zahlreicher An- und Umbauten relativ unverändert: Es gab weiterhin Tages- und Schlafsäle für die Kinder. In Letzteren standen bis zu 50 Betten! Mädchen und Jungen waren nachts getrennt untergebracht, spielten tagsüber aber gemeinsam.

Ins Heim gelangten Kinder über das städtische Fürsorgeamt (später Jugendamt), das auf Grundlage des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes (1924–1962) agierte. Dieses Gesetz hatte einen ordnungspolitischen Fokus. Entsprechend war darin von einer „Anstalt“ und „Zöglingen“ die Rede. Bei der autoritär-hierarchischen Organisation des Heims ging es um einen reibungslosen Betrieb. Folglich war Disziplin das Mittel der Wahl im Umgang mit den Kindern. Auch hatte die Mehrheit des Personals keine pädagogische Ausbildung.

Die Pädagogik hält Einzug

Seit 1962 galt das Jugendwohlfahrtsgesetz mit seinen neuen Formen der Erziehungshilfe. Bald darauf wurde erstmals eine mehrjährige Erzieher*innenausbildung angeboten und es entstand die 3-jährige Ausbildung plus Anerkennungsjahr an „höheren Fachschulen für Sozialpädagogik und Sozialarbeit“, aus der die Studiengänge der Fachhochschulen hervorgingen. Erst ab Mitte der 1960er-Jahre wurden also pädagogische Fachkräfte ausgebildet.

Ende der 1960er-Jahre beauftragte Karlsruhes Erster Bürgermeister Wäldele einen Untersuchungsausschuss mit Fragen der Heimerziehung. Der Ausschuss erkannte die Bedeutung der Sozialpädagogik für die Arbeit des Städtischen Kinder- und Säuglingsheims an und wies darauf hin, dass das Betreuungspersonal entsprechende Qualifikationen benötige. Auch wurde die Bedeutung einer individuellen Betreuung durch Psycholog*innen hervorgehoben und empfohlen, dass Erzieher*innen mit bis zu 9 Kindern in kleinen Wohneinheiten leben. Im Rahmen der folgenden Umbaumaßnahmen entstand im 3. OG eine Wohnung für den Heimleiter und dessen Familie. Am 1. September 1970 übernahm erstmals ein Sozialarbeiter die Leitung des Heims. Zeitgleich begann eine 10-jährige Umbauphase, vor allem des Haupttrakts: Aus Schlafsälen wurden kleinere Räume und Sanitäranlagen für die Wohngruppen. Mein Äußeres blieb relativ unverändert.

Mit den neuen pädagogischen Konzepten der Wohn- und Tagesgruppen ging eine Reduktion der Heimplätze einher: Im Hauptgebäude kamen nun 62 Kinder und Jugendliche unter. Neu war auch, dass anstelle von Säuglingen nun Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bei mir lebten.

Von der städtischen Einrichtung zur Heimstiftung Karlsruhe

Am 1. Januar 1995 übernahm die Heimstiftung Karlsruhe die städtischen Alten- und Pflegeheime sowie das Städtische Kinder- und Säuglingsheim, das in „Kinder- und Jugendhilfezentrum“ umbenannt wurde. Unter der neuen Leitung erlebte ich weitere Veränderungen: 1999 eröffnete im Seitentrakt das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum Augartenschule mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung.

Grundlage der Veränderungen war das 1991 eingeführte Kinder- und Jugendhilfegesetz, das den Schwerpunkt von familienersetzenden auf familienunterstützende und -ergänzende Hilfen legte: Das Konzept der lebensweltorientierten Jugendhilfe und Teilhabe hielt Einzug. In der Folge wurden ambulante Jugendhilfeleistungen wie Soziale Gruppenarbeit und Tagesgruppen ausgebaut. Lebten alle Kinder früher in meinen Mauern, kommen heute viele nur tagsüber und gehen danach in ihre Familien zurück. Auch gibt es mehr Büros: Leitung, Verwaltung, Psycholog*innen sowie Fachkräfte der Familienhilfe, der Bereitschaftspflege und der Schulkoordination arbeiten hier.

Mit dem Bundeskinderschutzgesetz von 2012 wurde die Sicherung der Rechte von Kindern und Jugendlichen sowie ihr Schutz vor Gewalt in den Fokus genommen. Auch deshalb finden bei mir viele Gespräche statt: Heutzutage wird darauf Wert gelegt, dass Kinder und Jugendliche ihre Stimme erheben können. Zudem sind mehr Eltern im Haus, die sich an den Hilfen beteiligen sollen und ihre Meinung äußern können. Darüber hinaus gibt es gemeinsame Gespräche mit dem Jugendamt oder dem Allgemeinen Sozialen Dienst.

In den letzten Jahrzehnten hat sich noch einmal viel im Haus und in der Heimstiftung verändert und das wird künftig bestimmt nicht anders. Eines aber ist seit über 100 Jahren gleich: Ich biete jungen Menschen in Not einen sicheren Raum – an jedem Tag des Jahres und rund um die Uhr.

Kontakt

Portrait der Einrichtungsleitung Sybelcentrum Teresa Musacchio. Sie lacht freundlich.

Teresa Musacchio

Portrait der Bereichsleitung und stellvertretenden Einrichtungsleitung Sybelcentrum Teresa Cavallaro.

Teresa Cavallaro

Stellv. Einrichtungsleitung und Bereichlseitung stationäre Gruppen
Tel.: 0721-961945-400
teresa.cavallaro@heimstiftung-karlsruhe.de